Thema: Sucht

DETLEF  FLISTER  -  Begegnung mit Rüdiger- Rolf Salloch-Vogel

Fontaneklinik Motzen, 25.03.2009:

In der Klinik findet gerade eine Suchtwoche zum Thema „15 Jahre Fontaneklinik“
statt: Theater, Musik, Vorträge und Lesungen bestimmen den Ablauf der Veranstaltung.Heute ist die Veranstaltung von Rüdiger-Rolf Salloch Vogel angekündigt. Der Mann auf dem Podium, leicht angegraut, strahlt ein unglaubliches Charisma aus. Seine Ruhe, seine Art zu lesen und zu erzählen, die Art, wie er sich dabei gibt, wirken anziehend und fesselnd, machen ihn zu einem Menschen, der fazieniert und sympathisch wirkt, einen Eindruck auf mich macht, wie nur wenige Menschen. Ich bemerke sofort seine hohe Reife, die begleitet wird von Erfahrung und Weisheit, die man auch bei Menschen in diesem Alter kaum antrifft und erwartet. Er zeigt eine Souverenität, Ruhe,                              Gelassenheit und Sicherheit, die auch schon durch die Brisanz des Themas erstaunlich und bewundernswert ist. Ich merke: Diesen Mann kann nicht überraschen und erschüttern. Er liest aus seinem Buch „Im Zweifel ohne – Sprüche und Kolumnen für Alkoholiker und andere.“

Es ist nicht nur der Inhalt des Buches, der beeindruckt, sondern auch die Zielstrebigkeit, mit der Salloch-Vogel die Veranstaltung durchführt und die Glaubwürdigkeit seines Vortrages. Er spricht und erzählt aus tiefster Seele und tiefsten Gefühl. Er moralisiert nicht, hebt nicht den Zeigefinger, sondern will ernsthaft überzeugen, will uns Alkoholiker nicht unter Druck auf einen vorbestimmten Weg bringen, der nur geht, wie er es sich vorstellt, sondern er will Mut machen, sondern die Vorteile eines Weges ohne Alkohol aufzeigen. Mir scheint, das ihn genau das gelingt! Es gibt mir persönlich als Alkoholiker Kraft und Mut ein trockener Alkoholiker zu werden, motiviert mich in Zukunft den Teufel in der Flasche zu lassen. Ich habe noch niemand so locker und witzig über seine Sucht reden gehört, wie ihn, wenn auch manches mal das Lachen im Halse stecken blieb. Dabei verschont er sich selber keineswegs, nimmt auch sich selbst kritisch auf die Schippe, verschont sich nicht. Zwischen dem Lesen einzelner Episoden aus seinem Buch erzählt er auch die eine oder andere Anekdote aus seiner nassen Zeit. Er will lediglich aufzeigen, dass das Saufen zumindest für ihn ein Irrweg war, den es sich lohnt zu verlassen.Manchmal ist es ein unüberwindbares Labyrinth, aus dem man, selbst wenn man es will, nicht herauskommt. Man wird zu einem destruktiven, hohlen und leeren Menschen, der oft zu einem lallenden Baby wird.

„Sucht“, so sagt er in seinem Buch „bedeutet den Verlust meiner inneren Freiheit im Umgang mit wen oder was auch immer. Daraus erfolgt eine Zentrierung von Denken und fühlen auf die Droge.“

Besser kann man meiner Meinung nach Sucht nicht beschreiben; besser kann auch ich es nicht, ich der ohnmächtig und hilflos vor den Trümmern steht, die mein Leben nach meiner nassen Zeit sind und der ich eigentlich nicht der um Worte ringende bin.

Die Überzeugung besteht für mich in seiner natürlichen Autorität, die etwas angenehmes ist und von seiner inneren Stärke und Ruhe genährt wird, die Kraft hinter diesem Vortrag erheblich steigert und die Glaubwürdigkeit erhöht. Auch bei einem persönlichen Gespräch hinterher bemerkte ich dies. Man merkt außerdem: Der Mann ist mit vollem Interesse dabei. Das hat nichts heuchlerisches an sich, sondern ehrliches Interesse, wenn er Fragen zur Sache stellt. Er stellt die Fragen, um dem Gesprächspartner eine passende Antwort zu geben, auf seine Argumente. Sein Know-how und seine Lebenserfahrung spielen dabei eine große Rolle. Er hört richtig zu und nimmt seinen Gesprächspartner auf Augenhöhe wahr, hält sich für nichts Besseres, ist immer höflich, äußert aber auch Bedenken wo er sie für erforderlich hält. Er hilft um zu helfen und nicht um Geld oder Anerkennung zu bekommen. Ich persönlich kann sofort Vertrauen fassen und traue ihn zu mir beim Überwinden der Klippen und Hindernisse auf dem Weg zur Trockenheit zu helfen.

Zum Schluss möchte ich noch einen seiner Sprüche zitieren; halte das Wort Sprüche in seinem Fall aber für unangemessen und würde sie eher Lebensweisheiten nennen.

„Wenn ich Erinnerungslücken habe, stehe ich mit einem Bein in der Sucht. Wenn ich damit angebe  mit zwei Beinen.“

Sein Buch „Im Zweifel ohne....“ ist für mich Begleiter durch mein trockenes Leben, Ratgeber, fachliche Orientierung und Trostspender in kritischen Situationen.

 

Detlef Flister