Zeitungsarbeit

DETLEF  FLISTER  -  Mein Traumberuf
Fasziniert von der Welt des Theaters

Ich bemerkte eigentlich schon sehr früh, dass ich mir ein „normales Berufsleben“ nicht vorstellen konnte. Ich wollte etwas im künstlerischen Bereich machen und erkannte sehr schnell, dass mein Traumberuf der des Schauspielers war und noch ist. Nie wollte ich zum Film und vor der Kamera stehen. Die Welt des Theaters war es die mich fazinierte und Begehrlichkeiten in mir weckte. Jeden Tag auf der Bühne stehen und in einem Stück mitspielen und hinterher den tosenden Applaus von den Rängen empfangen. Ich wollte jeden Abend die Menschen unterhalten mit meiner Darstellungskunst. Ich sagte mir immer: Das Wort „Schauspieler“ ist eigentlich ein falscher Begriff für diese Art Tätigkeit. Ein wirklicher Schauspieler spielt eigentlich nicht, sondern wird in dem Moment, in dem er die Rolle darstellt zu demjenigen, den er darstellt. Er verschmilzt sozusagen mit der Rolle, indem er sich durch Empathie tief in die Person und in die Situation einfühlt, die er darzustellen wünscht. Mittels Mimik, Gestik und Sprache gelingt es dem Darsteller dann seine Interpretation der Rolle lebensnah und realitisch herüber zu bringen. Ja, Schauspieler wollte ich sein, weil es mich fazinierte, mittels Empathie für Person und Situation mich in jemand anderen zu verwandeln und eine Rolle so perfekt wie möglich zu interpretieren.

Oft sah ich mich im Traum auf der Bühne stehen und in diversen Theatern in verschiedenen Stücken verschiedene Rollen interpretieren. Das Publikum war begeistert von meiner Darstellungskunst tobte, schrie und applaudierte und beruhigte sich hinterher überhaupt nicht mehr vor lauter Begeisterung über meine lebensnahe und authentische Echtheit und Interpretation.  Auch bei den Proben waren die Mitdarsteller und Regisseure , mit denen ich arbeitete von mir und meinen Fähigkeiten überzeugt. In den Zeitungen überschlugen und übertrafen die Kritiker sich mit ihrem Lob und sahen mich als DEN Schauspieler der Neuzeit – vielseitig, empatisch und stets überzeugend.

Ich begann dann auch an der Realisierung meines Traumes, lernte eine Szene aus „Wilhelm Tell“ auswenig und arbeite lange und ausgiebig vor dem Spiegel daran. Mimik und Gestik und Sprache übte ich vor dem Spiegel ein und ich merkte, wie sehr ich mich dabei wohlfühlte und es mir richtig Spaß machte, die Rolle zu lernen und mir eine brauchbare Interpretation der Rolle des Tell zu erarbeiten. Ich blühte regelrecht auf bei dieser Arbeit und mir gelang es auch nach ausgiebigen Proben eine Version zu erarbeiten, die mich zufrieden stellte. Zuversichtlich ging ich nach der Schule zu einem Vorsprechtermin in einer kleinen Schauspielschule in Berlin-Kreuzberg. Die ältere Dame, die eine Kostprobe meiner Darstellungskunst bekam, schien auch begieistert von meiner Darbietung zu sein und ein Talent für den Beruf des Schauspielers zu erkennen. Sie gab mir einen Aufnahmeantrag mit , den ich ausfüllen und von einem Elternteil mit unterschreiben lassen sollte.

Frohgelaunt lief ich nach Hause und berichtete meinem Vater von meinem nachmittaglichen Erfolg.

Der aber war offenbar nicht so angetan von meiner Idee, nahm den Antrag nach meinem kurzem Bericht und riss in der Mitte durch.

„Du lernst etwas Vernünftiges!“, fauchte er mich aggressiv an „In diesem Beruf kann man doch kein Geld verdienen und du willst doch auch mal eine Familie ernähren, oder....???? Ich glaube auch, dass du dir nicht die Hände schmutzig machen willst! Deshalb diese fixe Idee! Schminke Dir das ganz schnell ab!“

Mir standen die Tränen in den Augen und sah meinen Traum platzen wie eine Seifenblase. Das wars denn wohl  mit meinem Traumberuf. Vater war in seiner üblichen Art über meinen Traum hinweggepoltert. Ich jobbte mal hier, mal da – aber es gelang nichts so richtig. Es klappte nicht, weil ich es nicht wirklich wollte und nicht wirklich dahinter stand. Ich glaube, dass ich als Schauspieler nicht erfolgreicher ab insgesamt glücklicher geworden wäre....

Die Realisierung meines Traums fand in einer kleineren Variante dann doch statt: Ich und drei andere Kumpels schrieben in den 80ern Theaterstücke mit Szenen aus unseren Leben und spielten sie für zwei Mark Eintritt in einem kleinen Raum in Berlin- Schöneberg. Das Geld gaben wir dann anschließend für Essen und Trinken aus und freuten uns über die gebrachte Leistung, hatten unseren Spaß daran. Später machte ich noch in vielen Laienspielgruppe mit und auch Kompaserie brachte eine Minivariante meines Traumes. Ich spielte u.a. bei SAT 1 in der Friseuserie „Bis an die Spitzen“ mit, was mir viel Spaß machte!

Detlef Flister


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