nanamnanaNANA-Projekt 2006 in der TWG: Leitung Erika Berg

Suchttherapeutische Behandlunsgansätze

Die nachfolgend gezeigten Fotos zeigen Arbeiten von Menschen, die medizinisch als chronisch mehrfach abhängig (CMA) klassifiziert werden und für die es zu Beginn ihrer Aufnahme in eine therapeutische Wohngemeinschaft (TWG) vorrangig darum geht innerhalb eines geschützten und abstinenten Rahmens die Verschlimmerung der eigenen Lebenssituation durch die Suchterkrankung aufzuhalten, Halt und Stabilisierung zu erfahren und langfristig  die Verbesserung ihrer Situation anzustreben.

Die Ergotherapie ist in diesem Zusammenhang ein fester Bestandteil der therapeutischen Arbeit und gliedert sich in zwei Aufgabenbereiche. Zweimal die Woche in einer Gruppe mit max. 8 Teilnehmern zu einer kreativen Ergotherapie und einmal die Woche in einer Gruppe mit max. 8 Teilnehmern zu einer Haus- und Gartengruppe. Die drei Veranstaltungen sind wöchentlich auf jeweils auf 2 Stunden (mit Pause) begrenzt. Die Teilnahme an mindestens einer der Gruppen ist gerade zu Beginn der Therapie verpflichtend, mit Aufnahme einer Beschäftigung optional.
Soweit zum Rahmen und zur Zielgruppe dieser Ergotherapie.

Die Arbeit in der Ergotherapie ist vor allem darauf ausgerichtet sich an den Ressourcen, Bedürfnissen und Interessen der Teilnehmer zu orientieren, um z.B. verlorengegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder zu erwerben und/oder zu trainieren. Die Teilnehmer durchlaufen deshalb gerade am Anfang der Therapie oft eine Phase der Orientierung, in der es nicht nur darum geht, was sie mitbringen, sondern auch wohin sie wollen.

In dieser Auseinandersetzung wird auch berücksichtigt, dass es für viele bereits am Anfang der Therapie darum geht, schon bald wieder eine „richtige“ Beschäftigung aufzunehmen. Für die anderen jedoch geht es vor allem darum, ihre Zeit als sinnvoll und gemeinschaftlich zu erfahren, vielleicht auch an alte Fähigkeiten anzuknüpfen und am Ende etwas in der Hand zu halten, dass Freude macht und vielleicht auch wieder einmal etwas Stolz auf etwas "Eigenes" verspüren lässt. Der Mut Neues auszuprobieren ist ein wichtiges Nebenprodukt dieser Arbeit, das gezielt auch für andere therapeutische Aufgaben genutzt werden kann.

Nach meiner Erfahrung ist gerade jener Personenkreis besonders aufgeschlossen gegenüber dem kreativen Angebot, der sich wenig Hoffnung macht noch woanders "gebraucht" zu werden. Deshalb gilt die hier vorliegende Werkschau besonders jenen, die sich in der Ergotherapie besonders ihren eigenen Ideen und Vorstellungen geöffnet haben. Trotz ihrer Einschränkungen haben sie eine Welt aus Farben erschaffen, die nicht nur Inspiration und eigenen Mut erkennen lassen, sondern auch ein Stück Befreiung aus einem von der Sucht geprägten Leben. Andreas Peters

Arbeiten im Rahmen der Ergotherapie von 2008 - 2011

Ergotherapie - Einfach Farbe

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Die Arbeit als Suchttherapeut in der kreativen Suchttherapie ist nicht nur vielseitig, sondern nach meiner Erfahrung bestens geeignet, die eigene Suchtgeschichte, z.B. über die Schulung der Wahrnehmung und Erweiterung der kognitiven, emotionalen und manuellen Möglichkeiten aufzuarbeiten.
Wer sich mit seinen schöpferischen Möglichkeiten beschäftigt gerät immer wieder an seine Grenzen. Das gehört unbedingt zum kreativen Prozess. Manchmal ist schon das leere Blatt, was vor einem liegt und der nötige erste Strich mit Bleistift oder Pinsel eine hohe Hürde, die besonderer Aufmerksamkeit und Unterstützung bedarf.
Ganz gleich um welche Schwieirigkeiten es zur Umsetzung eines schöpferischen Produktes geht, sie führen früher oder später zu Erfahrungen, die in der Vergangenheit als Süchtiger nicht bewältigt werden konnten und in der Gegenwart eine entscheidende Rolle spielen können. In der kreativen Suchtherapie besteht für viele seit langem erstmals wieder die Chance mit eigenverantwortlichen Ideen und Handeln Erfahrungen zu machen. Diesen in der kreativen Arbeit zu begegnen ist für viele erst mal befremdend, aber mit der Zeit ein anderer und unverfänglicherer Zugang zur eigenen Suchtgeschichte.

Am Beispiel des sogenannten "Gemeinschaftsbildes" geht es weniger um die künstlerische Visualisierung einer Idee, sondern um die konkrete Planung und entsprechende Umsetzung. Kurz, um die damit verbundene Arbeit und deren einzelne Schritte zur Fertigstellung. Die Anforderungen wurden gezielt niedrig angesetzt und durch andere Malarbeiten, wie Mandala, Malen nach Zahlen und Seiden- und Acrylmalerei vorbereitet. Dadurch erhielten die beteiligten vier Teilnehmer die Möglichkeit sich ohne eigene Vorbehalte und Ängste an ein verhältnismäßig großes Bild heranzutasten. Der Prozess des Enstehens wurde von den einzelnen aufmerksam verfolgt und bestaunt. Bis schließlich die Fertigstellung "drohte" vergingen einige Wochen. Dann stand das Bild lange für alle Teilnehmer sichtbar im Ergotherapieraum, letztlich auch als Zeugnis für etwas Großes, das alle bei entsprechender Berücksichtigung der einzelnen Schritte schaffen können.

Am Anfang nur ein Skizze am Ende ein fertiges Bild (120x120cm)

g-bild

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Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und dem, was daraus folgt ist ein wichtiger Baustein in der Aufarbeitung der eigenen Suchtmittelabhängigkeit und der Schaffung neuer Heilfaktoren. Es geht dabei viel um (verlorenes) Vertrauen, um Ängste, Scham und Schuld.
Der Baum ist in der therapeutischen Arbeit dabei eine hilfreiche Methapher für das Wachsen, das rythmische Werden und Vergehen im Leben, die aus der Erde erwachsende Kraft, die zu Neuem erwacht und erblüht. Der Baum gibt Sicherheit, obwohl er sich im Laufe des Jahres immer wieder wandelt. Der Baum wird zum Symbol des Wandels und der damit verbundenen Sicherheit. Es fällt nicht schwer sich damit zu identifizieren, den Baum als "Freund" zu verstehen und zu umarmen, oder sich an ihm anzulehnen . . .
Die Beziehung zum Baum und die damit verbundenen eigenen Assoziationen sind Ausgangspunkt der folgenden Arbeit. Die Teilnehmer wurden am Anfang aufgefordert sich mit dem Baum in Beziehung zu setzen, in den Kontakt zu gehen. Dies fiel einigen leichter, anderen richtig schwer. Auch war die Scheu und Scham dabei fotografiert zu werden so groß, dass eine symbolhafte Figur auf dem Foto für die eigene Person genutzt wurde.
Enstanden ist eine ganze Bilderserie mit vielen lebendigen, typischen, ernsten und lustigen Posen. Die Auswahl, welches für die Arbeit an der Collage in Frage kam, viel einzelnen Teilnehmern oft nicht leicht. War die Wahl schließlich getroffen, ging es im nächsten Schritt darum, visuell, mit Zeichen und Malwerkzeug sich des Motivs auf dem Foto anzunehmen und dieses über den Rahmen hinaus weiter zu bearbeiten. D.H. Wuzeln, Stamm und Äste, Licht und Schatten, Umfeld und Himmel einen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Wie meist, bei diesen komplexeren Aufgabenstellungen taten sich einige am Anfang schwer. Mit zunehmender Beschäftigung aber wuchs die Konzentration und die Fähigkeit Materialien und Mittel entsprechend den eigenen Ideen und Möglichkeiten zur Umsetzung zu nutzen. Ich war am Ende selbst überrascht über die Vielfalt der Entwürfe und bin froh mit dem Einverständnis der kreativ Schaffenden einige Collagen hier zeigen zu dürfen.

Am Anfang ein paar Posen, am Ende ein bildhafte Vorstellung eigener Wurzeln und
Möglichkeiten:

posenx4

wurzeln
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Gemeinschaftsprojekt "Meine Stadt, mein Zuhause" (Collage 80x60cm)


meinort01
meinort02
meinort03
Die Fragestellungen bei der Entwicklung und Umsetzung dieser Collage sind u.a.:
  • Was ist mir wichtig in meinem unmittelbaren Lebensumfeld?
  • Was soll in meiner Nähe sein und wie zu erreichen?
  • Was benötige ich für meinen Alltag?
  • Was habe ich für besondere Anforderungen an mein Wohnumfeld, 
  • aufgrund meiner Geschichte?
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