Therapeutische Wohngemeinschaften (TWG)

Friedrichhain-Kreuzberg:

PROWO e.V.

Bürgerhilfe Kultur des Helfens gGmbH

Synergetik-Familie e.V.

_________________________

Zu Besuch beim Berliner Verein PROWO e.V. Wenn Menschen obdachlos und psychisch krank sind, dann haben sie ein doppeltes Problem. Wenn dazu noch eine Suchterkrankung kommt, dann scheint die Situation hoffnungslos zu sein.

Für diese Menschen bietet der Verein PROWO e.V. eine Wohngemeinschaft und Betreutes Einzelwohnen an. Diese Einrichtung arbeitet nach dem Prinzip der so genannten niedrigschwelligen Hilfe, das heißt, dass die Klienten auch Alkohol und/oder andere Drogen konsumieren dürfen, allerdings nur außerhalb der Therapeutischen Wohngemeinschaft. Die Finanzierung wird im Rahmen der Eingliederungshilfe über Tagessätze (Vergütungsfinanzierung) gewährleistet, die die Senatverwaltung für Gesundheit erstattet. Das Angebot richtet sich an psychisch kranke obdachlose Menschen, die sich in einer akuten Krise befinden und zu ihrer Stabilisierung eine befristete Wohnmöglichkeit suchen. Bei den Betroffenen kann neben der psychischen Erkrankung und der sozialen Notsituation auch Drogen- und Alkoholmissbrauch bestehen. Es ist nicht Bedingung, abstinent zu sein, um bei PROWO e.V. Hilfe und Aufnahme zu finden.

Die Einrichtung wurde 1999 gegründet. Heute kümmern sich fünf Mitarbeiter um zwölf Klienten. Davon wohnen sechs Personen in den angebotenen Räumen; die anderen werden im Rahmen des Betreuten Einzelwohnens untergebracht. Das Haus hat sechs Einzelzimmer, eine Gemeinschaftsküche, einen Gemeinschaftsraum sowie zwei Bäder. Die Aufnahme erfolgt niedrigschwellig, das heißt, dass meistens beim Erstkontakt noch keine klare Indikation möglich ist. Das gilt besonders für Menschen, die direkt von der Straße kommen. Bei Klienten, die über andere Einrichtungen vermittelt werden, ist die Aufnahme leichter, weil schon Vorinformationen bestehen. Die Entscheidung über den weiteren Verbleib wird eher hochschwellig sein – um Fehlplatzierungen zu vermeiden.

Als ein Aufnahmekriterium gilt, dass der Klient in keiner anderen Einrichtung in Berlin-Friedrichshain/Kreuzberg eine Chance auf eine Unterbringung hat. Weiterhin muss eine psychische Notlage oder Erkrankung vorliegen, auf Grund derer der Betroffene nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Nicht sofort aufgenommen werden Leute mit deutlichem Rauschzustand – Ausnahme ist, wenn schon länger Kontakt besteht und die Unterbringung sinnvoll erscheint. Menschen, die ausdrücklich Gewalt androhen, können nicht aufgenommen werden. Wenn eine akute medizinische Behandlung notwendig ist, dann hat diese Hilfe Vorrang.

Die Zimmer sind für die psychisch kranken Menschen eine Rückzugsmöglichkeit. Sie sollen sich in diesem geschützten Rahmen gesundheitlich erholen – und psychisch stabilisieren. Tagsüber sind die Sozialarbeiter da und nachts gibt es eine Nachtwache. Diese Betreuer sind für die Klienten jederzeit ansprechbar. Sie bieten Hilfe an – bei Ämtergängen, beim Einkaufen und bei anderen alltagspraktischen Dingen. Die Betreuung umfasst auch begrenzte pflegerische Leistungen, die Anregung zum regelmäßigen Essen und die Hinführung zu angemessener medizinischer Behandlung.

Die Betreuung bei PROWO e.V. unterliegt kaum starren Regeln. Täglich gibt es Frühstück und einmal in der Woche wird auch gemeinsam gekocht. Dazu kommt ein Plenum, das ebenfalls einmal wöchentlich stattfindet. Die Verweildauer in der WG wird individuell geregelt. Generell sind etwa anderthalb Jahre vorgesehen – aber es gibt auch Leute, die schon länger dort wohnen. Wenn jemand einzieht, werden möglichst geringe Anforderungen abverlangt. Jedoch muss sich an die Hausordnung gehalten werden. Durch die Einzelzimmer wird die Privatsphäre gewahrt, die Kontaktaufnahme zu den anderen Mitbewohnern kann in den Gemeinschaftsräumen stattfinden. Zusätzliche Gruppenangebote fördern die soziale Bezugnahme.

Die Grundregeln für die Wohngruppe in der Berliner Wrangelstraße sind in einer klaren und kurzen Hausordnung zusammengefasst: Der Gebrauch von harten Drogen und Alkohol ist in den Räumen nicht erlaubt. Das Personal ist berechtigt, jederzeit einen Blick in die Zimmer zu werfen. Die Regeln der Außenwohnplätze orientieren sich weitgehend an denen der Wohngruppe. Die Klienten müssen sich an die mit ihnen erarbeiteten Vereinbarungen halten. Diese Vereinbarungen werden individuell getroffen und sind Bestandteil der Hilfeleistung. Die Zielvorstellungen sind, dass zuerst einmal Schadensbegrenzung bei dem Betroffenen erreicht werden soll. Dann können die Möglichkeiten einer rehabilitativen Entwicklung ausgelotet werden. Erstrebenswert ist eine Vermittlung der Hilfesuchenden entweder an Einzelfallhelfer oder in eine andere Wohn- und Betreuungsform.

Es ist wichtig, dass es solche Einrichtungen gibt. Wenn dort auch in Maßen konsumiert werden kann – das Wichtigste ist, dass sich die Klienten wieder erholen, richtig auf die Medikamente eingestellt werden und ein menschenwürdiges Leben führen können. Martin Hagel (19.10.2009)

INFO: Homepage Prowo
PROWO e.V. Projekt Wohnen
Kottbusser Damm 79a, 10967 Berlin
Telefon: 030 - 69 59 77 - 0
E-Mail: info@prowo-berlin.de

nach oben
-----------------------------------------------------------------------------------------------

Das Hilfsangebot der Bürgerhilfe Kultur des Helfens gGmbH richtet sich vor allem an die Bewohner des Berliner Bezirks Kreuzberg (SO36). Der Verein wurde von engagierten Leuten aus dem Bezirk gegründet und bietet nun bereits seit 20 Jahren – als Verbund aus dem gewachsenen Bürgerhilfe-Verein, der Stiftung Bürgerhilfe und der Bürgerhilfe gGmbH - Kultur des Helfens - verschiedene Projekte an. Diese Dienstleistungen beziehen sich auf die Bereiche der Obdachlosen-, Wohnungslosen- und Suchtkrankenhilfe. So gibt es eine Wohnungslosentagesstätte, die Nachbarschaftshilfe, das Übergangshaus Kiefholzstraße und die Therapeutischen Wohngemeinschaften I und II. Weitere Projekte sind das Betreute Einzelwohnen und der Bereich der Wohnungserhaltung und Wohnungserlangung.

Insgesamt beschäftigt der Verein 55 Mitarbeiter, zum großen Teil sind diese Sozialarbeiter. Die Einrichtungen der Bürgerhilfe beraten und unterstützen Hilfebedürftige, wenn die sozialen Schwierigkeiten so stark geworden sind, dass die Betroffenen es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen. Die Bürgerhilfe ist da, wenn die Vielzahl der Probleme über den Kopf wachsen, um betreuend auf ein eigenverantwortliches Leben in einer eigenen Wohnung vorzubereiten. Darüber hinaus hilft sie, wenn die Wohnverhältnisse unzumutbar sind. Auch Straffällige, die einen Neuanfang machen wollen, können die Hilfe in Anspruch nehmen. Die Bürgerhilfe erbringt ebenfalls nachbarschaftliche Leistungen verschiedenster Art: Sie organisiert zum Beispiel Hilfe für sozial schwache Menschen (Gemeinwesenarbeit, insbesondere Wohnungsrenovierungen und Entrümpelungen).

Eine weitere Einrichtung ist die Suchtarbeit. Die Bürgerhilfe hilft mehrfach geschädigten suchtkranken Männern und Frauen. Das geschieht in der Therapeutischen Wohngemeinschaft in Berlin-Lichtenberg. Hier bekommen Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten ein betreutes Wohnen angeboten. Es gibt die Therapeutische Wohngemeinschaft I für chronisch mehrfach geschädigte Abhängigskeitskranke. Die Therapeutische Wohngemeinschaft II ist für chronisch mehrfach geschädigte Personen, die eine Doppeldiagnose haben (zum Beispiel Substanzabhängigkeit und Psychose) In der Zeit des Betreuungsaufenthaltes in der Therapeutischen Wohngemeinschaft erhalten die Klienten therapeutische Hilfe. Das Ziel ist, dass die Menschen eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft schaffen. Ein großes Anliegen ist das selbstbestimmte Leben ohne Suchtmittel. Das bedeutet, dass die Klienten nach dem Aufenthalt ein zufriedenes und abstinentes Leben führen können.

Die Wärmestube oder Wohnungslosentagesstätte ist ein Angebot für obdachlose Männer und Frauen in Berlin-Kreuzberg. Sie bietet Erwachsenen Möglichkeiten der sozialpädagogischen Beratung, Unterstützung nach dem SGB und Hilfe bei der Wohnungs- beziehungsweise Arbeitssuche. Des Weiteren werden warme Speisen und Getränke bereitgestellt und es besteht das Angebot, zu duschen und die Kleidung zu reinigen. Das Betreute Einzelwohnen ist ein weiteres Projekt, das die Bürgerhilfe anbietet. Das Leistungsangebot richtet sich an Personen, die in besonderen Lebensverhältnissen leben. Der Betreuungsbedarf sollte nach SGB XII §§67/68 ausreichend sein, um den notwendigen Hilfebedarf zu gewährleisten. Beratung und Anleitung können den Hilfeberechtigten perspektivisch zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung verhelfen, um zum Beispiel in einer eigenen Wohnung klarzukommen.

Ein weiterer Zweig der Hilfe sind der Wohnungserhalt und die Wohungserlangung. Hier erfahren Betreute mit verdichteter sozialer Problemlage sozialpädagogische Einzelbetreuung, Beratung und Vermittlung nach dem SGB XII. Die Maßnahmen im Leistungs-angebot sollen zur Wohungsanmietung und zum Wohnraumerhalt beitragen. Auch hier besteht das Ziel darin, dass der Klient ein eigenständiges und eigenverantwortliches Leben führen kann.

Diese Angebote der Bürgerhilfe sind wichtig. Im Bezirk Berlin-Kreuzberg gibt es besonderen Bedarf an Hilfe. Diese können die Klienten zuerst als niederschwellige Angebote der Bürgerhilfe annehmen – so in der Wohnungslosentagesstätte – und sie bekommen dort auch weitere Hilfe, zum Beispiel um ein abstinentes Leben zu führen. Martin Hagel (29.06.2009)

INFO: Homepage der Bürgerhilfe
Taborstraße 17 | 10997 Berlin
Fon: 030 . 612 15 81
Fax: 030 . 612 80 568

nach oben
----------------------------------------------------------------------------------------------


„Synergetik-Familie e.V.“ kümmert sich seit zwei Jahrzehnten um ehemals suchtabhängige Männer und Frauen.
Es werden auch HIV-Positive, Drogenabhängige aus anderen Kulturkreisen und Drogenabhängige, die Therapie statt Strafe machen, aufgenommen. Das heißt, Alkoholiker, Drogensüchtige, spielsüchtige und esssüchtige Menschen kommen als Zielgruppe in Frage. Leitbild war und ist es, ehemals Drogensüchtige beim Übergang von Therapie in ein eigenständiges und nachhaltig drogenfreies Leben zu begleiten. Die Klienten kommen meistens direkt nach der Therapie zu Synergtik.

Zuerst muss derjenige, der aufgenommen werden will, eine Bewerbung schreiben oder anrufen. Die Aufnahme bei „Synergetik“ geschieht dann nach einem Gespräch mit den Sozialarbeitern. Derjenige, der einziehen will, sollte Therapieerfahrung haben – am besten ist, er kommt direkt nach der Therapie zu „Synergetik“. Die davor liegende Therapie darf nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Nachdem klar ist, dass der Klient einziehen kann, muss er die Kosten beim Sozialamt beantragen. Er bekommt auf jeden Fall Hilfe von den Mitarbeitern. Die Kosten für die Betreuung übernimmt das Sozialamt und die Miete wird durch das JobCenter bezahlt. Weiterhin ist erwünscht, dass der zukünftige Klient an den offenen Gruppen teilnimmt. „Synergetik“ hat 34 Plätze in verschiedenen Wohngruppen. Es gibt ausschließlich Einzelzimmer. Das Team der Betreuer besteht aus vier Sozialarbeiter_innen/Ex-Usern.

In den Wohngruppen findet einmal in der Woche ein Gruppengespräch statt; Einzelgespräche mit den Sozialarbeiter_innen werden ebenfalls angeboten. Wer zu „Synergetik“ kommt, muss sich an gewisse Regeln halten. Dazu gehört die absolute Drogen- und Suchtmittelabstinenz. Gewalt darf weder angedroht, noch ausgeübt werden. Die Klienten dürfen keinen Kontakt zur Drogenszene haben. Letztendlich ist die Teilnahme an den wöchentlichen Gruppensitzungen Pflicht.

In unregelmäßigen Abständen und bei Verdacht werden Urinkontrollen verlangt, um sicherzustellen, dass die Klienten auch clean sind. „Synergetik“ hat derzeit keinen aktiven Zweckbetrieb. Aber die Klienten können als MAE-Kräfte hier mitarbeiten. Auch „Arbeit statt Strafe“ ist möglich. Angeboten werden: Gartenarbeiten, Umzüge und Renovierungsarbeiten.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Klienten liegt zwischen einem und anderthalb Jahren. Wie lange die Klienten dort bleiben können, ist von Fall zu Fall zu entscheiden.

Zielsetzung ist, dass der Klient nach dem Aufenthalt bei „Synergetik“ eigenständig leben kann. Nicht zuletzt soll der Kontakt und der Familie wieder hergestellt werden. Es gibt auch noch weitere spezifische Ziele – wie die Befähigung zu einer eigenverantwortlichen Lebens- und Haushaltsführung in eigenen Wohnraum. Allgemein gesagt, soll das Führen eines abstinenten Lebens ermöglicht werden. Ein weiteres Ziel ist, dass der Klient einen eigenen Wohnraum mit Hauptmietvertrag am Ende des Aufenthaltes erlangt. Die Bewohner werden umfassend über das in der Einrichtung zur Verfügung stehende Leistungsangebot informiert. Dazu gehört eine Beschreibung aller Rechte und Pflichten. Es wird auch Hilfe angeboten: bei der Beantragung von Beihilfen wie „Hartz IV“; die Betreuer kommen dann schon einmal mit ins JobCenter. Weiterhin wird auch beraten, wie bei anhängigen Strafsachen gehandelt werden soll. Es geht auch um gesundheitliche Fragen. Auch bei der Erlangung von Wohnraum wird geholfen.

Es hat sich einiges geändert, seitdem ich bei „Synergetik“ war. Ich ging damals direkt nach der Therapie dorthin. Heute noch bin ich dankbar, dass sie mich damals aufgenommen haben. Mit Hilfe von Synergetik bekam ich sehr schnell Arbeit. Mein Fehler war, dass ich damals aus der Wohnung von „Synergetik“ ausgezogen bin. – Ich weiß: Diese Einrichtung ist eine wichtige Säule in der Berliner Suchthilfe.
Martin Hagel (19.06.2009)

INFO: SYNERGETIK-FAMILIE e.V.
Jungstrasse 26
10247 Berlin
Tel:  030 / 280 61 78
Fax: 030 / 79 74 16 61
nach oben
______________________________________________________________________