Therapeutische Wohngemeinschaften (TWG)

Lichtenberg

Pinel gGmbH

Stiftung SPI "Walter May", TWG "Arche"

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Pinel - Initiative für Psychisch Kranke in Berlin. Die PINEL-Gesellschaft hat ihre Anfänge Ende der 70er Jahre. Die Gründer des Vereins orientierten sich an den italienischen Kliniken. Ziel ist es, die Langzeitpsychiatrie aufzulösen und in einer demokratischen Form durch ambulante Dienste und Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft zu ersetzen. PINEL gibt es seit 1971 als gemeinnützigen Verein; er ist Mitglied im paritätischen Wohlfahrtsverbandes. In den Jahren 1979/80 konnte PINEL die ersten therapeutischen Wohngemeinschaften mit insgesamt zwölf Plätzen gründen. Die PINEL-Gesellschaft setzt sich für demokratische und gemeindeintegrierte Psychiatrie ein. Das geschieht auch durch politische Einflussnahme. Im Mittelpunkt stehen die Schaffung von Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für psychisch Kranke.

Eine der Säulen von PINEL ist die Grundversorgung. Diese wird durch Kontakt und Beratungsstellen in den einzelnen Bezirken von Berlin ermöglicht. Da gibt es zum Beispiel den Binger-Club, den Manet-Club und eine Stelle im S-Bahnhof Schöneberg. Der Binger-Club in der Günzelstraße 4 hat ein regelmäßiges Wochenprogramm. Dazu gehören das gemeinsame Frühstück, Malen auf Papier, Kochen und Essen, Gymnastik und Bewegungsspiele; ein Computerkurs kann auch besucht werden. Ein ähnliches Programm hat der Manet-Club in der Großen Leegestraße 97/98 in 13055 Berlin.

Der Fachbereich Arbeit und Bildung ist eine weitere Säule von PINEL. Für die Klienten ist es zum Teil wichtig, dass die Arbeit sich in die Tagesstruktur eingliedert. Es kann dort auch ausprobiert werden, wo die inneren Grenzen sind. Oft ist es so, dass psychisch Kranke keinen Arbeitsplatz auf den "Ersten Arbeitsmarkt" bekommen. In den Zuverdienstprojekten können die Klienten vier und mehr Stunden arbeiten. Angebote für den geschützten Arbeitsbereich bestehen auf folgenden Gebieten: Gastronomie, Textilpflege (Waschküche), Handel, Hausreinigung und Gartenpflege. Das bedeutet, dass Hartz-IV-Empfänger, aber auch berentete Menschen sich ein Taschengeld (symbolische Bezahlung) dazuverdienen können. Natürlich vermittelt PINEL auch in andere Zuverdienstprojekte.

Ein weiteres Angebot von PINEL ist das Betreute Einzelwohnen. Voraussetzung ist, dass derjenige, der dies in Anspruch nehmen will, auch aktiv dazu betragen kann. Dieses Angebot besteht in zwei Bereichen: für die psychisch Kranken und für suchtkranke Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Für die Klienten des Betreuten Wohnens für Suchtkranke werden angestrebt: die Linderung beziehungsweise Verbesserung krankheitsbedingter Beeinträchtigungen, die Sicherung des Überlebens und die Schaffung einer materiellen Absicherung. Die Schwerpunkte der Arbeit richten sich auf die Vermeidung der Chronifizierung der Suchterkrankung, die Verlängerung suchtmittelfreier Zeiten und die Motivation zur Annahme von Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehört auch die Förderung der Ressourcen und die soziale Integration. Gemeinsam mit dem Klienten und Therapeuten wird eine Begleitungsvereinbarung erarbeitet. Sie ist auf die Probleme des Einzelnen abgestimmt. Die qualifizierten Mitarbeiter machen dann in regelmäßigen Abständen Hausbesuche. Sie unterstützen und helfen je nach persönlichem Bedarf. Das gilt unter anderem für die Behördengänge, die Gestaltung von sozialen Kontakten, bei der ambulanten medizinischen Versorgung und so weiter.

Ein anderes Angebot ist das Betreute Apartmentwohnen. Es gibt zwei Formen: das "normale" Wohnen und das intensiv betreute Wohnen. Die zweite Wohnform wird für Menschen angeboten, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht alleine wohnen können, aber nicht unbedingt in eine Wohngemeinschaft ziehen möchten. Als Hilfestellung sind die Betreuer im Haus zu bestimmten Zeiten immer erreichbar. Das Ziel der Betreuung besteht darin, den Ausbau der gesunden Anteile zu fördern, das eigenverantwortliche Handeln zu stärken und die soziale Eingliederung unter Voraussetzung des Andersseins zu unterstützen. Wichtig ist auch, dass die Klienten in Maßen Alkohol konsumieren können. Wenn aber bemerkt wird, dass derjenige zu "süchtig" ist, dann muss er in eine andere Wohnform wechseln.

Neben diesen Wohnformen gibt es noch die therapeutische Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen. Sie kann ein Ersatz für die Klinik sein. Sie ermöglicht es, die soziale Isolation zu überwinden. Es gibt regelmäßige Gruppengespräche, gemeinsame Unternehmungen, Einzelgespräche und einen festen Wochenplan. Zum Betreuungsangebot gehört auch die individuelle Unterstützung in den verschiedenen Lebensbereichen. Martin Hagel

INFO: Pinel "Initiative für Psychisch Kranke"
Pinel gemeinnützige Gesellschaft mbH
TWG Lichtenberg
Grosse-Leegestrasse 97 / 98
13055 Berlin
Tel.   030 - 9819 6240

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Die „Arche“ – eine therapeutische Wohngemeinschaft für Süchtige in Berlin-Lichtenberg. In der deutschen Hauptstadt sterben circa zweitausend Männer und Frauen jährlich an der Alkoholsucht. Deshalb ist es wichtig, dass es Einrichtungen gibt, die Alkoholiker, die ein trockenes Leben führen möchten, aufnehmen und in ein nüchternes Leben begleiten können.

Natürlich muss der Klient den Wunsch haben, vom Alkohol wegzukommen. Meistens steht am Anfang eine Entgiftung. Wenn sich ein Klient entscheidet, eine Therapie bei der Arche zu machen, die in der Regel zwei Jahre dauert, dann kann er bei der Einrichtung anklopfen. Es können Männer und Frauen aufgenommen werden, bei denen die letzte Meldeadresse Berlin-Lichtenberg oder Berlin-Hohenschönhausen lautete. Die Kostenübernahme erfolgt über das zuständige Sozialamt. Vor dem Einzug findet auch ein Gutachtergespräch beim Sozial-Psychiatrischen Dienst statt. Danach wird in der Belegungskommision entschieden, ob die Einrichtung für den vermeintlichen Klienten geeignet ist.

Eine Entgiftung und gegebenenfalls eine stationäre Entwöhnungstherapie sind erwünscht. Der Klient sollte auch die notwendige Krankeneinsicht haben. Ferner ist nötig, dass er oder sie die Bereitschaft zur Kooperation hat – und letztendlich die Hausordnung akzeptiert. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel zwei Jahre. Es stehen vierzehn Plätze zur Verfügung. Gegebenenfalls kann auch ein längerer Aufenthalt ermöglicht werden – je nachdem, wie hoch der Hilfesatz des Einzelnen ist.

Die Ziele der Therapeutischen Wohngemeinschaft sind zum Beispiel die Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation. Es sollen die geistige und körperliche Mobilität gesteigert werden. Wichtig ist auch, dass das Bewusstsein über die Krankheit und Gesundheit verbessert wird. Meistens haben die Klienten auch Schulden – ein Vermächtnis aus dem alten Leben – und hier wird geholfen, diese zu regeln. Zum Leben eines trockenen Alkoholikers gehört auch eine eigenständige Lebensführung. Dazu gehört zum Beispiel das regelmäßige Essen, die Haushaltsbewältigung und so weiter. Meistens sind bei den Klienten die Kontakte zur Familie jahrelang ausgefallen. Auch hier helfen die Sozialarbeiter. Ein weiteres Ziel ist, dass die Bewohner längerfristig ohne Alkohol oder Drogen leben können. Dazu gehört auch die Vermittlung von Arbeit – auf dem ersten Arbeitsmarkt, aber meistens in MAE und ABM-Maßnahmen oder verschiedene Formen von Zuverdienst.

Die therapeutische Wohngemeinschaft wird vorrangig für Alkoholiker angeboten – es werden aber auch Drogensüchtige, die clean leben wollen, aufgenommen. Zur Klientel der „Arche“ gehören auch diejenigen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung zu Alkohol- und Drogensucht gelangt sind. Zum Beispiel durch eine psychotische Erkrankung. Wenn derjenige gut eingestellt ist, dann geht das auch. Eine Methode der Therapie ist zum Beispiel das Einzelgespräch. Es findet keine Psychotherapie statt, sondern rein sozialtherapeutische Hilfestellung ist möglich. Einzeltherapie findet in Form von Gesprächstherapien statt.

Eine weitere Therapie ist das Gruppengespräch. Hier wird unterschieden zwischen Frauen- und Männergruppen. Dort können Konflikte und andere Situationen im täglichen Zusammenleben mit den anderen Klienten besprochen werden Auch hier geht es vorrangig um die Gefühle der Klienten. In der Hausversammlung werden dann die organisatorischen Themen behandelt, zum Beispiel die Bereichsreinigung und andere Aufgaben. Die Schwerpunkte der Therapeutischen Wohngemeinschaft sind die Beratung, Betreuung und Begleitung der Klienten. Es wird mit jedem eine Tagesstruktur vereinbart. Wichtig ist auch, dass die Anbindung an Ärzte klappt. Besonders bei Leuten mit einer Doppeldiagnose – beispielsweise Psychose und Sucht – ist eine Anbindung an einen Psychiater sehr wichtig. Wenn der Klient medikamentös gut eingestellt ist, so ist es auch notwendig, dass er regelmäßig zum Arzt geht.

Aber auch außerhalb der Therapie gibt es ein weitreichendes Freizeitangebot. Das fängt beim gemeinsamen Basteln und Malen an. Es gibt sportliche Angebote im Bereich der Fitness. Weiterhin finden Fahrradtouren statt. Es gibt das Angebot, zum Beispiel Joga oder autogenes Training zu machen. Ferner gibt es ein Internetcafé, manchmal wird zusammen gekocht. Einmal im Jahr findet eine einwöchige Gruppenreise statt. Ansonsten gibt es auch eintägige Ausflüge.

Eins ist klar: Wenn jemand alkoholabhängig ist und aus dem Suchtverhalten herauskommen will, dann gibt es viele Möglichkeiten, dies zu tun. Eine davon ist die Therapeutische Wohngemeinschaft. Es gibt in Berlin nicht nur die „Arche“ – sie ist aber eine derjenigen Einrichtungen, die erfolgreich arbeiten. Martin Hagel

INFO: Stiftung Sozialpädagogisches Institut "Walter May"
TWG „Arche“
Archenholdstr. 24
10315 Berlin
Tel. 030.51 65 80 07
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