Therapeutische Wohngemeinschaften (TWG)

Neukölln

Navitas gGmbH

Inmitten von Neukölln gibt es die Therapeutische Wohngemeinschaft für Suchtkranke von Navitas gGmbH.
Eine Therapeutische Wohngemeinschaft ist eine Zweckgemeinschaft von Menschen mit den gleichen Problemen – hier zum Beispiel die Suchterkrankung. Zielgruppe der Therapeutischen Wohngemeinschaft und des Betreuten Einzelwohnens von Navitas gGmbH sind Leute, die mit Alkohol und Tablettensucht zu tun haben. Drogensüchtige werden nicht aufgenommen. Die Wohngemeinschaft hat zwölf Plätze. Die Navitas gGmbH ist eine Gesellschaft der Träger KoWo e.V. und ESPERANTO – aufsuchende Hilfen e.V. Das Ziel ist, soziale Dienste unter dem Gesichtspunkt eines integrativen Ansatzes zu entwickeln, zu betreiben und zu beraten.

Möchte ein Klient aufgenommen werden, dann erfolgt ein Gespräch. Falls der zukünftige Klient eine Entgiftung braucht, wird diese eingeleitet. Um die Kostenzusage zu bekommen, wird das Anliegen des Klienten erst einmal am Runden Tisch, besser gesagt: mit der Belegungskommission beraten. Danach erfolgt eine Begutachtung beim zuständigen Psychologen des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Bei einer Kostenzusage werden dann die Kosten der therapeutischen Gemeinschaft von Sozialamt unter dem Punkt Eingliederungshilfe gewährt. Der Bewilligungszeitraum beträgt jeweils immer ein Jahr. Wie lange das vom Sozialamt bezahlt wird, hängt individuell von den einzelnen Klienten ab. Die Betreuer arbeiten eng mit den Bezirksämtern und Einrichtungen der Eingliederungshilfe und den Gremien dieses Bereichs zusammen.

Die Therapeutische Wohngemeinschaft hat zwölf Plätze. Fünf Mitarbeiter betreuen die Klienten. Die Arten der Unterstützung sind die Hilfe bei der Selbstversorgung, die Tagesgestaltung und Kontaktfindung, Beschäftigung und der Umgang mit den Auswirkungen der Erkrankung. In der Therapeutischen Wohngemeinschaft lernen die Klienten voneinander und machen gemeinsame Erfahrungen. Das Betreuungsziel ist die Erreichung einer möglichst selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung auch unter dem Vorzeichen einer Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Weiterhin wird die Bewältigung von sozialen und persönlichen Schwierigkeiten durch eine gezielte Einzelfallhilfe angestrebt. Der Tagesablauf der Klienten richtet sich nach dem konkreten Bedarf. Pflicht ist, am Frühmeeting unter der Woche teilzunehmen und an der Hausversammlung, die einmal im Monat stattfindet. Einige der Klienten haben auch Arbeit, meistens im MAE-Bereich. Darüber hinaus bestehen Freizeitangebote.

Weiterhin gibt es einmal in der Woche ein Einzelgespräch mit dem jeweiligen Stammbetreuer. Es wird keine Psychotherapie gemacht, sondern es wird sozialarbeiterisch gearbeitet. Das betrifft zum Beispiel Konflikte innerhalb der Wohngemeinschaft. Die individuellen Probleme werden im Einzelgespräch durchgearbeitet. Wenn es Probleme mit der Gruppe gibt, so kann der Klient das in der großen Hausversammlung ansprechen. Die Betreuer der Therapeutischen Wohngemeinschaft haben Kontakt zu anderen Einrichtungen und zum zuständigen Krankenhaus. Rückfälle gehören zur Suchtkrankheit. Wenn jemand rückfällig wird, dann muss er ein Krankenhaus aufsuchen – so wird es im Betreuungsvertrag vereinbart. Dabei ist es egal, wie viel er konsumiert hat. Jedoch werden die Klienten nicht einfach auf die Straße gesetzt. Individuell wird entschieden, wie es dann weitergehen kann.

Die Länge des Aufenthalts in der Therapeutischen Wohngemeinschaft richtet sich nach den Bedürfnissen der Klienten. Nach dem Auszug ist eine Weiterbetreuung möglich, vorausgesetzt, derjenige hat seine Wohnung im Bezirk Berlin-Neukölln. Bei der Wohnungssuche helfen die Mitarbeiter, jedoch bietet Navitas selbst keine Wohnungen an. Meistens wird über das Soziale Marktsegment eine Wohnung vermittelt. Es kann manchmal eine Weile dauern, bis etwas Geeignetes gefunden wird.

In einer Millionenstadt wie Berlin gibt es eine Vielzahl an Therapeutischen Wohngemeinschaften für psychisch Kranke und Suchtkranke. Wir haben unter dieser Rubrik auch schon einige vorgestellt. Es ist wichtig, dass es solche Angebote gibt, es ist aber auch wichtig, dass die Öffentlichkeit von solchen Einrichtungen erfährt. Unverzichtbar ist es ebenfalls, dass derjenige, der Probleme mit der Sucht hat, dies auch einsieht und sich helfen lässt. Das allgemeine Bild von dem Alkoholiker unter der Brücke ist somit falsch. Es gibt für jeden eine Lösung, vorausgesetzt: Er will sich helfen lassen. Für diejenigen, die nicht auf diese Weise unterstützt werden können, gibt es die niederschwelligen Angebote. Auch darüber haben wir schon berichtet. Martin Hagel (17.06.2009)

INFO: NAVITAS TWG in Neukölln
Altenbraker Str. 21
12051 Berlin
Tel.: 030 / 62 84 57 23
Fax: 030 / 62 84 57 24

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