Therapeutische Wohngemeinschaften (TWG)

Pankow

Albert-Schweitzer-Stiftung 

Albert-Schweitzer-Stiftung - Wege und Perspektiven aus der Sucht mit geistiger und seelischer Behinderung. Es gibt alkoholabhängige Menschen, die nicht mehr abstinenz-fähig sind. Das bedeutet, dass sie weiter trinken. Oft endet das dann in der Obdachlosigkeit. Sie haben viele Entgiftungen und manchmal auch Entzugsmaßnahmen hinter sich. Rückfälle und Kontaktarmut beherrschen ihr Leben. Oft denken diese Menschen nur daran, wie sie zum nächsten Bier oder Schnaps kommen. Nach der Odyssee durch verschiedene Einrichtungen und Therapien macht sich bei vielen dann oft Perspektivlosigkeit breit. Es gibt sogenannte Drehtürpatienten. Die gehen für ein, zwei Tage ins Krankenhaus und hauen dann wieder ab – und trinken weiter. Die Anzahl der Klinikaufenthalte geht dann in die Höhe.

Die Albert-Schweitzer-Stiftung – Wohnen und Betreuen bietet solchen Menschen ein Dach über dem Kopf. Sie wurde am ersten Februar 1997 als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet und orientiert sich an den neuesten fachlichen Betreuungskonzepten. Heiler-ziehungspfleger, Krankenpfleger und Altenpfleger übernehmen die Betreuung. Die Koordination und Organisation der Albert-Schweitzer-Stiftung obliegt der Heimleiterin Andrea Bogisch.

Der Umgang mit Alkohol erfolgt hier undogmatisch – sie können dort zwar kontrolliert trinken, haben aber auch eine Tagesstruktur. Sie bekommen die Aufmerksamkeit, nach der sie suchen. Die Menge des Alkoholkonsums wird reduziert, sodass sie wieder ein lebensfähiges Leben führen können. Dazu gehört auch, dass sie wieder Verantwortung über ihr Leben nehmen können. Das betrifft die Gestaltung des Alltags. Hier führen sie einen gemeinsamen Haushalt und können die verschütteten Ressourcen wieder entdecken. Zum Betreuungsangebot gehören auch Freizeitaktivitäten. Es werden zum Beispiel mehrtägige Ausfahrten gemacht. Gefeiert wird auch, zum Beispiel Faschingsbälle, Adventsfeiern, Osterfeiern und Sommerbälle. Der Tagesablauf wird in den individuellen Gesprächen festgelegt. Die Mahlzeiten werden zu festen Zeiten bereitgestellt, können aber auch nach Wunsch zurückgestellt werden. Nach dem Frühstück geht es weiter mit den Arbeits-
projekten. Nachmittag und Abend werden je nach persönlichem Bedarf und Interesse für Einzelangebote und Aktivitäten genutzt, zum Beispiel für Spieletage und einen gemeinsame Videoabende.

In der Einrichtung in der Kollwitzstraße stehen auf zwei Wohnetagen insgesamt vierzehn Einzelzimmer, zum Teil mit Balkon und Dachterrasse zur Verfügung. Es gibt auch behindertengerechte Zimmer, wo Menschen mit Rollstuhl wohnen können. Weiterhin gibt es für jeden Wohnbereich eine Küche und einen Gemeinschaftsraum und im ganzen Haus sogenannte Raucherinseln. Alkohol darf nicht öffentlich getrunken werden. Die Gemeinschaftsräume sind ebenfalls alkoholfreie Zone. Bei Festen und Gemeinschaftsaktionen ist das Trinken ebenfalls nicht erlaubt. Es darf kein Alkohol unter den Bewohnern weitergereicht oder mitgebracht werden. Die Minimierung des Alkoholkonsums steht im Vordergrund, um Aktivitäten und das Zusammenleben in der Gruppe zu ermöglichen.

Es gibt auch Arbeit in dem Haus. Im sogenannten „Stöbereck“ werden selbstgebastelte Handwerksprodukte verkauft, zum Beispiel Stickereien, Holzspiele, bildnerische und textile Objekte sowie auch aus den anderen, im Tageszentrum hergestellte Sachen wie Getöpfertes, Glückwunschkarten und so weiter.

Für die süchtigen Menschen, die nicht mehr aufhören können, ist diese Einrichtung sehr wichtig. Die Reduzierung des Alkoholkonsums auf das kleinstmögliche Maß funktioniert manchmal, aber manchmal eben auch nicht. Das hängt sehr stark von dem Trinkertyp ab. Dadurch, dass die Bewohner nur sehr wenig Geld in die Finger bekommen, soll es gewährleistet sein, dass niemand sich betrinken kann. Wichtig ist, dass die Süchtigen wieder eine Tagestruktur bekommen, dass sie nicht nur an Alkohol denken und dass sie wieder lebensfähig werden. Und es ist wichtig, dass die Anzahl der Krankenhausaufenthalte reduziert werden. Martin Hagel

INFO: Albert-Schweitzer-Stiftung Berlin-Pankow
Albert Schweitzer Stiftung – Wohnen & Betreuen
Bahnhofstraße 32
13129 Berlin
Tel. 030 474 77-0
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